Amateur vs Pro

Bei der Etablierung einer Sportart kommt man um einen entscheidenden Faktor nicht herum: der klaren Abgrenzung von Amateur- und Profi-Sport.

Jede sich etablierende Sportart sieht sich jedoch zu Beginn mit der gleichen Schwierigkeit konfrontiert: dem Fehlen eines einheitlichen Regelwerks, an dem sich Sportler, Betreuer und Veranstalter orientieren können. Denn ohne ein einheitliches Regelwerk verschwimmen die Grenzen zwischen Amateur- und Profisportlern, was dazu führte, das zu Beginn des MMA in Deutschland fast alle aktiven Sportler als Profis geführt wurden. Denn eine Regel galt immer, egal was für ein Regelwerk der Veranstalter nutzte oder sich selbst zusammenbaute – einmal Profi, immer Profi.

Sprich, wer einmal nach Profiregeln gekämpft hatte oder für seine Teilnahme eine Kampfgage erhielt, war ab diesem Zeitpunkt ein Profi. Für immer. Völlig egal, wie seine sportlichen Fähigkeiten waren, der Weg zurück in den Amateursport war ihm verwehrt und somit auch die Möglichkeit seine Fähigkeiten im sportlichen Zweikampf mit Athleten seines Niveaus zu verbessern. Viele vielversprechende Talente blieben dabei auf der Strecke, sei es, weil sie zu früh in den Profisport einstiegen ohne die entsprechenden technischen Fähigkeiten zu besitzen, oder weil sie es erst gar nicht wagten, da sie keine Möglichkeit hatten, ihre Fähigkeiten im sicheren Umfeld des Amateursports zu entwickeln.

Was uns wieder zur Ausgangsfrage zurückführt:

Wo endet der Amateursport und wo beginnt der Profisport?

Durch die Anwendung unterschiedlicher Regelwerke auf deutschen Veranstaltungen war es nicht unüblich, dass ein Kämpfer nach den Regularien des einen Regelwerks noch Amateur, nach denen des anderen jedoch bereits Profi war. Dies führte auch im umgekehrten Fall zu einigem Unmut. Kämpfer die jahrelang als Profis gelistet waren, wurden plötzlich in internationalen Datenbanken nur noch als Amateure geführt, da das Regelwerk, nachdem sie gekämpft hatten, nicht in allen Punkten dem Profianspruch genügt haben sollte. Doch ist die nicht eindeutige Zuordnung kein regionales Phänomen, sondern aufgrund der mangelnden einheitlichen Struktur international verbreitet.

Die wichtigsten Unterscheidungspunkte zwischen Amateur und Profiregelwerk sollten daher jedem Sportler und jedem Betreuer bekannt sein:

Hier nun setzt die IMMAF an, in dem sie es sich zur Aufgabe gemacht hat, Strukturen zu schaffen, die international einheitliche Standards für den Amateur MMA Sport setzen.

Grundlegend hierbei war die Einführung der Unified Rules of MMA for Amateurs, die klare Unterschiede zu den Unified Rules of MMA for Professionals aufweisen und somit eine Abgrenzung zwischen Amateuren und Profis erlauben. Jeder Coach und jeder Amateur sollte vor der Anmeldung zum Wettkampf sicher sein, dass das angewendete Regelwerk den Unified Rules of MMA for Amateurs entspricht, bevor er den Kampf annimmt. Andernfalls besteht die Gefahr, dass der Athlet seinen Amateurstatus verliert.

Die wichtigsten Unterscheidungspunkte zwischen Amateur- und Profiregelwerk sollten daher jedem Sportler und jedem Betreuer bekannt sein:

 Amateur
Unified Rules of MMA
Professional
Unified Rules of MMA
Waageam Veranstaltungstagvor dem Veranstaltungstag möglich
Handschuhe6 – 8 oz4 – 6 oz
Shinguardszwingend vorgeschriebenverboten
Rundenzeit
Titelkämpfe
3 x 3 Minuten
5 x 3 Minuten
3 x 5 Minuten
5 x 5 Minuten
Verbotene Technikenzusätzlich zu den 28 Fouls des Profi Regelwerks:

- jegliche Art von Schlagtechniken mit Ellenbogen oder Unterarm
- Heelhooks
- jeder Aufgabegriff der primär Druck auf den Nacken oder die Wirbelsäule ausübt
- Knie zum Kopf des Gegners
28 Fouls, siehe GEMMAF oder IMMAF Regelwerk

Um die Vereinheitlichung der Regelwerke voran zu bringen, wendet die GEMMAF die Unified Rules ebenfalls für alle ihre Veranstaltungen an.

Zur weiteren klaren Abgrenzung zwischen Profi und Amateur identifiziert die IMMAF weitere Kriterien:

Ein Athlet wird als Amateur eingeordnet, wenn keines der folgenden Kriterien zutrifft:

 

  1. Der Athlet hält eine professionelle MMA-Lizenz oder eine professionelle Lizenz einer anderen Kampfsportart von einem beliebigen Verband.
  2. Der Athlet stand oder steht unter Vertrag mit einer professionellen MMA- oder professionellen Kampfsport-Promotion.
  3. Der Athlet hat Gage für die Teilnahme an einem MMA- oder professionellen Kampfsport-Match erhalten (dazu zählen z.B. nicht Spritgeld oder Übernachtungskosten).
  4. Der Athlet hat an einem professionellen MMA-Match gemäß der Unified Rules oder einem äquivalenten Regelwerk des Staates, in dem das Match stattfand, teilgenommen.
  5. Der Athlet hat einen Pro MMA Rekord veröffentlicht (z.B. Sherdog.com; Mixedmartialarts.com).
  6. Der Athlet ist gegen einen anderen Athleten angetreten, der zu dieser Zeit einen Pro MMA Rekord hatte.

Die GEMMAF als nationale Vertretung der IMMAF setzt diese Kriterien ebenfalls als Maßstab für die Einordnung von Amateuren gegenüber Profis an. Allerdings verzichtet die GEMMAF auf Umsetzung des 6. Kriteriums. Athleten, die bei den IMMAF-Turnieren antreten möchten, müssen dieses Kriterium trotzdem berücksichtigen.

Der GEMMAF ist bewusst, dass nicht jedes dieser Kriterien nachprüfbar ist und verschiedene Regelwerke sowie fehlende Veröffentlichungen von Rekorden die Überprüfung erschweren. Trotzdem ist das Bestreben der GEMMAF eine möglichst klare Linie zwischen Profis und Amateuren zu ziehen. Denn international einheitliche Standards sind von entscheidender Bedeutung bei der Professionalisierung des MMA Sports und seiner Wiederanerkennung als olympische Disziplin nach 2.500 Jahren. Deshalb verpflichtet sich auch die GEMMAF zur Umsetzung dieser Richtlinien bei nationalen Veranstaltungen, um so den Amateursportlern ein Umfeld zu bieten, in dem sie in der Lage sind, ihren Sport sicher und nach klaren Regeln auszuüben.

Autor: Björn Schneckenburger

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